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Katzenratgeber

Katzenbabys aufziehen: Die ersten Wochen - Tipps für Züchter

Katzenmutter mit Nachwuchs Katzenmutter mit Nachwuchs

Neues Leben birgt neue Herausforderungen. Das gilt auf allen Ebenen und so ist auch die Ankunft eines Katzenbabys ein Erlebnis, das Vorbereitung und Auseinandersetzung im voraus bedarf. Dieser Ratgeber hilft Ihnen über die schwierigen ersten Wochen hinweg und bietet zahlreiche Tipps rund um Geburt, Pflege und erster Erziehung. Wenn Ihre Katze noch nicht trächtig ist, überlegen Sie sich sehr gut im voraus, ob Sie die Verantwortung, Kosten und Aufwände für die Aufzucht einer Katzenfamilie übernehmen können und besprechen dies mit erfahrenen, eingetragenen Katzenzüchtern. Es sei auch darauf hingewiesen, dass dieser Ratgeber nicht auf alle Situationen und Einzelheiten einer verantwortungsvollen Katzenaufzucht eingehen kann. Bei Fragen kontaktieren Sie Ihren Tierarzt oder sprechen Sie, wenn Sie Rassekatzen züchten wollen unbedingt vorher mit Ihrem Katzenzuchtverband, wie zum Beispiel den 1. Deutschen Edelkatzen Züchterverband e.V. Auch Tierheime oder einem Tierschutzvereine Ihres Vertrauens sind gute Ansprechpartner für alle Fragen, wie Sie Katzenbabys aufziehen.

Vor der Geburt

Die Trächtigkeit einer Katze sollte von einem Tierarzt festgestellt und begleitet werden. In der Woche vor der Geburt wird die Katze inaktiv und verbringt die Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Platz für den Wurf. Dabei nimmt sie eventuell einen vom Besitzer vorbereiteten Platz an, oft aber wegen zunehmender Unruhe nicht. Geraten Sie nicht in Panik, falls sich der gute Teppich oder Ihr Bett als Platz herausstellt, sondern treffen Sie entsprechende hygienische Vorbereitungen.

Die Geburt

Bengalkitten Nach der Geburt öffnen sich langsam die Augen der Katzenbabies

Nach ungefähr 63 Tagen beginnen die ersten Wehen der Katze. Sie wird dies als unangenehm empfinden, besonders wenn sie zum ersten Mal wirft. Etwa zwölf Stunden vor der Geburt erhöhen sich Pulsschlag und Atemfrequenz. Oft läuft auch bereits Milch aus den Zitzen. An dem von der Katze ausgewählten Platz unterzieht sie sich kurz vorher einer gründlichen Reinigung. Die folgenden Wehen dauern zwei bis zwölf Stunden und sind von Unruhe und Schmerzen begleitet. Die Zeit zwischen Wehen und Geburt ist bei erstmaligen Katzenmüttern länger.

Die Geburt selbst geschieht relativ schnell - die Katze weiß instinktiv, wie sie sich verhalten muss. Zunächst ist die Fruchtblase zu sehen, die, wenn sie nicht platzt, von der Katze zerbissen wird. Das Junge wird von der Katze von der Blase befreit und vollständig abgeleckt. Dies dient nicht nur der Säuberung, sondern regt auch die Atmung an. Sofort danach schiebt es die Mutter an ihren Bauch, um es zu wärmen und zu nähren. Die Muttermilch enthält wichtige Antikörper, die das Junge vorübergehend schützen. Die Geschwister folgen im Abstand von fünf bis 60 Minuten. Die Zwischenzeit nutzt die Katze, um sich selbst zu säubern.

Unter Umständen kann es zu Geburtsstörungen kommen, die das Eingreifen eines Tierarztes erfordern. Häufige Risiken sind der fehlende Einsatz der Presswehen bei geöffnetem Muttermund, ein zu hoher Blutverlust sowie anhaltender Pressdrang und Fieber beim Muttertier.

Nach der Geburt

Die Nachgeburten werden innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt ausgeschieden. Instinktiv wird die Katze sie in den meisten Fällen auffressen. Anderen Haustieren gegenüber ist die Katzenmutter unter Umständen aggressiv, wenn sie eine Gefahr für den Nachwuchs wittert.

Entwicklung des Nachwuchses

Bis zum Alter von etwa sieben Monaten durchläuft eine Katze drei Phasen: In der Neugeborenenphase (Woche 1-2) ist das Junge hilflos und vollständig auf die Mutter angewiesen. Die Sozialisierungsphase (Woche 3-7) beginnt die junge Katze ihre Umgebung wahrzunehmen und wird für diese sehr empfänglich. Das gilt im übrigen für Menschen wie für andere Haustiere. In der Jugendphase schließlich (Woche 8-24) wird die Beziehung zum Besitzer aufgebaut.

Sie sollten immer im Hinterkopf behalten, dass Katzen von wilden Tieren abstammen. Ihr instinktives Verhalten ist entsprechend ausgeprägt. Die Bindung an den Menschen und die Erziehung in den ersten beiden Phasen sind daher von entscheidender Bedeutung!

Woche 1

Die ersten Tage bestehen ausschließlich aus Trinken und Schlafen. Die Mutter bewacht sie dabei in jeder Minute und bietet ununterbrochen lebenswichtige Wärme. Es ist ein Ereignis, die Jungen bei der Zitzensuche zu beobachten. Das Suchen, Finden und Saugen ist durch Reflexe gesteuert, die die sich mit den Vorderbeinen heran robbenden Babys immer zum Ziel bringen. Fällt ein Junges einmal aus dem Nest oder findet dieses nicht wieder, stößt es einen lauten Schrei aus, den die Mutter sofort zuordnen kann. Am Ende der Woche ist ein Kätzchen ca. 15cm lang und legt bereits Strecken von bis zu 50cm zurück.

Woche 2

Katzenbaby auf einer Decke Das Katzenbaby entwickelt sich weiter und wächst voran

Für die Hygiene im Nest ist weiterhin die Katzenmutter verantwortlich. Sie leckt den After der Jungen und frisst Ausscheidungen. Dies bleibt so, bis die Jungen in der Lage sind, auf das Katzenklo zu gehen. In der zweiten Woche öffnen sich die Augen und das Sehvermögen nimmt nach 24 Stunden Gewöhnung rasch zu. Auch das Hörvermögen wird in diesen Tagen entwickelt. Die Ohren stellen sich auf und die Jungen reagieren neugierig auf alle Geräusche. Die nun fast 20cm langen und 200 Gramm schweren Tiere unternehmen am Ende der Woche erste Gehversuche und fahren zum ersten Mal ihre Krallen aus.

Woche 3

Der Nachwuchs verbringt noch immer bis zu 16 Stunden am Tag schlafend, ist in den Wachphasen dafür aber umso munterer. Das Hören, Sehen und Laufen wird mit jedem Tag besser und das Milchzahngebiss wächst. Für die Ernährung ist es wichtig, dass die Mutter mehr zu fressen bekommt als üblich. Bei vier Jungen kann sich der Futterbedarf schon verdoppeln.

Um die Jungtiere vor einem Parasitenbefall zu schützen, ist eine regelmäßige Wurmkur empfehlenswert. Kitten sollten zwischen der 2. und 4. Lebenswoche mit einer Wurmkur behandelt werden. Die genaue Dosierung und Verabreichungsart klären Sie im Vorraus mit dem Tierarzt. Wurmfreie Kitten verfügen über die besten Voraussetzungen für der Verabreichung der Erstimpfung gegen Infektionskrankheiten wie Katzenseuche und Katzenschnupfen. Die Erstimpfung sollte etwa in der 8. Lebenswoche verabreicht werden.

Woche 4

Die Katzenmutter sucht instinktiv nach einem neuen Platz, um parasitärem Befall vorzubeugen. In einer hygienischen Umgebung ist dies natürlich nicht nötig und Sie können den Wurf nach ein bis zwei Tagen problemlos wieder in das ursprüngliche Nest setzen. Die Jungen werden ab der vierten Woche rasch unabhängiger und beginnen mit der Sozialisierung. Erfahrungen aus dieser Zeit (Woche 4-7) prägen die Persönlichkeit des Tieres für immer. Es ist ratsam, ein Junges nicht auf eine Person zu fixieren, sondern es mit möglichst verschiedenen Personen in Kontakt zu bringen. Sanfte Streicheleinheiten und Zureden sind ein guter Weg in eine erfolgreiche Sozialisierung.

Woche 5-6

Die Sinne der jungen Katzen sind am Ende dieser Phase vollständig ausgebildet. Sie trinken weiterhin Muttermilch, sollten aber zu Beginn der sechsten Woche zum ersten Mal feste Nahrung bekommen. Der Spieltrieb wächst und die Raufereien mit den Geschwistern werden koordinierter. Auch imitieren die Jungen immer stärker die Mutter - sie wollen dasselbe fressen und fangen an auf Möbel zu klettern. Um Ängstlichkeit und/oder Aggressivität zu vermeiden sollte die Katzenfamilie noch weitere zwei Wochen zusammen bleiben.

Woche 7-8

Katzenbaby spielt Wichtig für Katzen ist auch, dass sie sich austoben können

Die nun fast 30cm langen Kätzchen sind in ihrer Jugendphase angekommen und toben, was das Zeug hält. Ernsthaft anmutende Kämpfe lassen sich als Spiel erkennen, wenn das Maul halb geöffnet ist und die Katzen keine aggressiven Laute ausstoßen. In dieser Phase entdecken junge Katzen Spielzeug für sich. Am Ende der achten Woche zeigt sich gelegentlich eine Angstreaktion bei fremden Menschen oder Tieren. Diese lässt sie sich oft in den Folgewochen nehmen. Bleibt die Reaktion, muss das Tier besonders viel Zuneigung bekommen und mit dem Fremden vertraut gemacht werden.

Woche 8-12

Wenn Sie Tiere aus Ihrem, bzw. den gesamten Wurf verkaufen wollen, so ist das ab der zwölften Woche möglich. Die Katzen bekommen bis zur zehnten Woche nochmal einen körperlichen Schub, die Milchzähne fallen bis zum sechsten Monat aus. Geschlechtsreife erlangen sie zwischen dem 4. und 12. Lebensmonat. Um ungewollten Nachwuchs und Stress (verursacht durch die Rolligkeit) für das Tier zu vermeiden, ist eine frühe Kastration angebracht. Ab der 8. Lebenswoche ist bereits eine sogenannte Frühkastration möglich.

Ein Großteil der Sozialisierung findet innerhalb dieser Lebenswochen statt. Die Jungtiere lernen viel von ihrer Mutter und ihren Geschwistern. Jungtiere, die bis zur 12. Woche bei ihren Geschwistern bleiben können, sind Artgenossen gegenüber später deutlich aufgeschlossener eingestellt. Außerdem lernen die Kitten beim Spielen mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter nicht zu kratzen, entwickeln ein gesundes Selbstbewusstsein und sind weniger ängstlich. Das Vertrauen zum Menschen, lernen die Jungtiere ebenfalls durch die Mutter. Erfahrungen mit fremden Menschen und Tieren und an unbekannten Plätzen wie bei einer Autofahrt sind wichtig für das soziale Verhalten des Tieres. Zum Schutz vor Infektionskrankheiten sollten die Jungtiere in der 8. und 12. Lebenswoche geimpft werden. Erst mit einem vollständigen Impfschutz sind die Tiere abgabebereit. Da Katzen keine Einzelgäger sind, sollten vor allem Jungtiere nur zu zweit vermittelt werden. So ist immer ein Spielkamerad im Haus und der Stubentiger nicht einsam.

Kontakt zwischen Mensch und Tier

Katzen beurteilen Menschen nach ihrem Verhalten und ihrer Bedrohlichkeit. Lassen Sie die Katze deshalb den aktiven Part des Kennenlernens übernehmen. Sitzen Sie ruhig und reden Sie mit gesenkter Stimme, ohne der Katze direkt in die Augen zu blicken. Sie wird Sie mit all ihren Sinnen erkunden. Kommt sie näher und setzt sich womöglich gleich neben Sie, ist das der erste Schritt zum Vertrauen. Geschafft haben Sie es, wenn die Katze auf Ihren Schoß kommt, schnurrend den Kopf an Ihnen reibt und sie mit den vorderen Pfoten "tritt". Auch zunächst ängstliche oder aggressive Katzen lassen sich so besänftigen.

Katzenbabys sind kein Spielzeug

Katzen fressen Eine glückliche Katze sollte sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen

Kleine Kinder können ohne Ihre Hilfe nicht wissen, wie Sie mit Katzenbabys umgehen müssen und verwechseln den niedlichen Nachwuchs zunächst mit Ihrem Teddy oder anderem Spielzeug. Dies kann Katzen große Angst einjagen und sie gerade in den ersten Lebenswochen negativ für den Kontakt mit Menschen prägen. Wenn Sie Kinder in Ihrer Familie haben, dann besprechen Sie die Bedürfnisse der Katzenfamilie und verschonen diese mit Besuchen in den ersten Wochen. Begleiten Sie dann die Kinder bei ersten Kontakten mit den Katzenkindern, mehr Information unter Kinder und Haustiere: Ab welchem Alter welches Tier? Wenn Ihre Kinder noch keine fünf Jahre alt  sind, erlauben Sie keinen alleinigen Zugang der Kinder zu der Katzenfamilie.

Weitere Tipps im Umgang mit Jungkatzen

  • Laufen Sie nicht hinter der Katze her, um sie einzufangen - sie wird ängstlich und gerät im schlimmsten Fall in Todesangst.
  • Halten Sie die Katze bei der Pflege oder bei Verabreichung von Medizin gut fest - sie ergibt sich schnell.
  • Sollte sie doch einmal zu kämpfen beginnen, lassen Sie sie erst los, wenn sie sich beruhigt hat. Ansonsten wird sie den Kampf künftig immer nutzen und lässt sich bald nicht mehr bändigen.
  • Lassen Sie die Katze zur Vertrauensgewinnung aus Ihrer Hand fressen.
  • Seien Sie immer zärtlich beim Streicheln und fassen Sie den Bauch nicht an. Dieser ist sehr empfindlich und wird beschützt. Mehr Tipps zum richtigen Streicheln von Katzen hier.

Erwachsen werden und neue Zuhause für Kitten finden

Katzenbabys sorgen für reichlich Leben und benötigen viel Aufmerksamkeit und Fürsorge. In den ersten zwei Wochen kümmert sich vor allem die Mutter um den Nachwuchs, danach beginnt die Sozialisierung mit dem Menschen. Die Aufzucht eines Katzenwurfes verlangt den Katzenbesitzern einiges ab. Nur wenige Tierfreunde besitzen die nötigen Mittel, einen Katzenwurf länger als ca. 12 Wochen bei  sich zu behalten. Recht früh machen sich Katzenbesitzer daher auf die Suche nach einem schönen zu Hause für die Kitten. Über eine kostenlose Kleinanzeige bei markt.de lassen sich schnell zahlreiche Interessenten finden, nun gilt es nur noch die geeignetsten Kandidaten für Ihre kleinen Schützlinge auszuwählen. Erst nach einigen Besuchen der Interessenten und Abschluss eines Schutzvertrages sollten die Jungtiere den neuen Besitzern übergeben werden. Wählen Sie die neue Familie für Ihre Kitten verantwortungsvoll aus, lesen Sie bezüglich Schutzvertrag mehr unter Kaufvertrag für Katzen - darauf sollten Sie achten.

 

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg mit Ihren Katzenkindern.

 

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